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Generationenarbeit: Die Vergangenheit verstehen und für die Zukunft nutzen

Wenn Paare an ihren Beziehungsproblemen arbeiten, führt ihr Weg oft unweigerlich zurück in die eigene Kindheit – dorthin, wo ihre Prägungen und Verhaltensmuster entstanden sind. Bei der Begleitung von Paaren beobachte/n ich/wir dies immer wieder.

Unsere Eltern sind die ersten Vorbilder, von denen wir lernen, wie Beziehungen funktionieren und wie wir auf bestimmte Situationen reagieren. Sie formen nicht nur unser Weltbild, sondern auch unsere Fähigkeit, unser eigenes Potenzial zu entfalten. Dabei übernehmen wir sowohl wertvolle Stärken als auch Denk- und Verhaltensweisen, die uns in unserem heutigen Leben unbewusst herausfordern können.

Alte Muster hinterfragen – neue Wege gestalten

Tief verankerte Überzeugungen, unbewusste Entscheidungen und übernommene familiäre Rollen begleiten uns oft weit über die Kindheit hinaus. Diese inneren Muster können nicht nur die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin belasten, sondern auch das Verhältnis zu den eigenen Eltern oder Kindern erschweren.

Sich bewusst mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, kann befreiend sein. Indem wir alte Konflikte klären und Missverständnisse auflösen, gewinnen wir neue Gestaltungsfreiheit für unser eigenes Beziehungsleben. So entsteht Raum für eine selbstbestimmte, erfüllte Form von Nähe und Verbindung – frei von alten Belastungen.

Generationenarbeit: Die eigene Geschichte neu schreiben

Generationenarbeit bedeutet, sich direkt mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen – nicht nur gedanklich, sondern auch im unmittelbaren Kontakt mit den Eltern oder Kindern. Dabei geht es darum:

Sich in die Perspektive des anderen hineinzuversetzen

Die Geschichte der Eltern oder Vorfahren besser zu verstehen

Übernommene, falsch verstandene Verantwortung zurückzugeben

Schuld- und Schamthemen aufzuarbeiten

Belastende Erlebnisse zu integrieren und loszulassen

Eine neue, selbstbestimmte Lebensgeschichte zu schreiben

Dieser Prozess schafft Verständnis, heilt alte Wunden und gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihr eigenes Potenzial bewusst zu entfalten.

Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn alte Muster unbewusst weiterwirken

Ein Mann, Mitte 40, stellt fest, dass er in seiner Partnerschaft ständig das Gefühl hat, nicht genug zu sein – egal, wie sehr er sich bemüht. Konflikten weicht er aus, um Streit zu vermeiden, und er stellt die Bedürfnisse seiner Partnerin über seine eigenen. In der Therapie wird ihm klar: Dieses Muster hat seinen Ursprung in seiner Kindheit.

Die Prägung in der Kindheit

Sein Vater wuchs selbst in einem emotional kargen Umfeld auf. Seine Eltern arbeiteten viel, Streit war an der Tagesordnung, und für liebevolle Zuwendung blieb wenig Raum. Diese emotionale Distanz gab der Vater – unbewusst – an seinen Sohn weiter.

Das Kind reagierte darauf mit tief verankerten Überlebensstrategien, die sich in drei Grundhaltungen zeigen können:

1.⁠ ⁠Aus Schutz: „Bitte tu mir nichts.“

Das Kind zieht sich zurück, bleibt still und macht sich unsichtbar, um keinen zusätzlichen Stress zu verursachen. Es vermeidet Konflikte, um die Beziehung der Eltern nicht weiter oder zusätzlich zu belasten.

2.⁠ ⁠Aus Sehnsucht: „Bitte sieh mich, lob mich, sei stolz auf mich.“

Das Kind strengt sich unermüdlich an, passt sich an, sucht nach Anerkennung und Zuneigung – in der Hoffnung, endlich die ersehnten Zeichen von Liebe zu erhalten.

3.⁠ ⁠Aus Loyalität: „Ich spüre deine Not. Ich trage etwas für dich.“

– Das Kind übernimmt unbewusst Verantwortung für das emotionale Leid eines Elternteils. Es wird zum stillen Unterstützer, verzichtet auf eigene Bedürfnisse und stellt sicher, dass es den Eltern bzw. einem Elternteil gut oder besser geht, und möchte so zur Harmonisierung beitragen.

Wie wirkt sich das im Erwachsenenleben aus?

Ohne bewusste Aufarbeitung bleiben diese Muster bestehen. Der Mann merkt, dass er sich in Beziehungen immer noch beweisen muss, um Anerkennung und Liebe zu erhalten. Konflikten geht er aus dem Weg – genau wie damals in seiner Kindheit. Und unbewusst erlaubt er sich keinen größeren Erfolg oder mehr Glück, weil er tief in sich trägt: „Es darf mir nicht besser gehen als meinem Vater.“

Der Weg zur Veränderung

Durch Generationenarbeit kann er diese tief verwurzelten Glaubenssätze erkennen und hinterfragen. Er darf verstehen:

Die Schwierigkeiten seines Vaters waren nicht seine Verantwortung.

Er darf sich von der übernommenen Last befreien.

Er ist liebenswert, ohne sich ständig anpassen oder beweisen zu müssen.

Indem er diese alten Muster bewusst loslässt, entsteht Raum für echte, gleichwertige Beziehungen – ohne Angst, ohne Schuld, ohne unbewusste Loyalität.

Generationen-Workshops als wertvolle Unterstützung

Neben meiner Einzel- und unserer Paar-Arbeit empfehle ich auch die Generationen-Workshops von Sabine und Roland Bösel. Sie sind renommierte IMAGO-Therapeuten. Ich durfte bereits mehrfach als Assistentin in ihrem Team mitarbeiten und kann aus Erfahrung sagen: Diese Workshops bieten eine wunderbare Möglichkeit, sich intensiv mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen, alte Muster zu erkennen und neue, gesunde Beziehungsdynamiken zu entwickeln.

Möchten Sie ähnliche Muster in Ihrem Leben aufdecken und lösen? Ich begleite Sie gerne auf diesem Weg – kontaktieren Sie mich für weitere Informationen.

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