Warum Elternberatung nach einer Trennung so wichtig ist
Ein Beitrag aus meiner Praxis für systemische Therapie und Paarberatung
Wenn eine Beziehung zerbricht, verändert sich vieles – besonders, wenn Kinder betroffen sind. Für Erwachsene ist eine Trennung oft ein schmerzhafter Prozess des Loslassens. Für Kinder bedeutet sie meist Verunsicherung, Verlust und die Angst, dass nichts mehr so sein wird wie früher.
In dieser Phase brauchen Eltern Orientierung – als Paar, das sich trennt und als Eltern, die verbunden bleiben. Genau hier setzt die Elternberatung nach § 95 Abs. 1a AußStrG an: Sie unterstützt Eltern dabei, das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen und Elternschaft neu zu gestalten.
Mehr als ein Pflichtgespräch
Bei einer einvernehmlichen Scheidung mit minderjährigen Kindern ist eine einstündige Elternberatung gesetzlich vorgeschrieben.
Dieses Gespräch ist ein wichtiger erster Schritt – ein Moment des Innehaltens, um bewusst zu machen, was Kinder jetzt brauchen und wie elterliche Verantwortung weitergelebt werden kann.
Doch in der Praxis zeigt sich: Eine Stunde kann nur ein Anfang sein.
Trennung ist kein Ereignis, sondern ein Prozess. Themen wie Kommunikation, Absprachen, Loyalitätskonflikte oder der Umgang mit den eigenen Emotionen brauchen Zeit – und manchmal auch Begleitung, um sich gut entwickeln zu können.
Elternberatung ist deshalb weit mehr als eine Pflicht. Sie kann der Beginn eines neuen Verständnisses sein:
„Wir trennen uns als Paar, aber wir bleiben Eltern – verlässlich, respektvoll und verbunden durch unsere Kinder.“
Was Kinder jetzt brauchen
Kinder spüren Spannungen sofort. Sie brauchen jetzt vor allem:
Sicherheit, Geborgenheit und klare Strukturen
das Gefühl, beide Eltern lieben zu dürfen
ehrliche, altersgerechte Informationen
Eltern, die respektvoll miteinander umgehen
Raum für ihre Gefühle – Trauer, Angst, Wut oder Hoffnung
Eltern können die Schmerzen ihrer Kinder nicht verhindern, aber sie können sie begleiten. Dieses Mitfühlen stärkt Vertrauen und Selbstwert – und verhindert, dass Kinder langfristig unter der Trennung leiden.
Wie Eltern entlastend handeln können
Eine Trennung verlangt Neuorientierung. Kleine, bewusste Schritte können Großes bewirken:
Über die Trennung sprechen – ehrlich und ohne Schuldzuweisungen
Klarmachen: „Wir bleiben deine Eltern, auch wenn wir kein Paar mehr sind.“
Keine Abwertung des anderen Elternteils (Kinder sind immer „ein Teil Mama, ein Teil Papa“)
Klare, verlässliche Vereinbarungen treffen
Loyalitätskonflikte vermeiden
Emotionen der Kinder annehmen und ernst nehmen
Wenn möglich, wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen
Diese Haltung entlastet Kinder – und langfristig auch die Eltern selbst.
Trennung ist ein emotionaler Prozess
Trennung ist kein einmaliger Moment, sondern ein Übergang mit vielen Phasen – Schock, Trauer, Wut, Akzeptanz und Neubeginn.
Eltern, die diese Phasen verstehen und sich selbst mit Mitgefühl begegnen, können auch ihren Kindern besser beistehen.
Kinder spüren, wenn Eltern ruhiger werden. Diese innere Stabilität ist für sie der größte Halt.
Darum kann es hilfreich sein, Begleitung nicht als Schwäche, sondern als Investition in Stabilität zu sehen.
Manchmal reicht ein einzelnes Gespräch – manchmal entsteht daraus ein Prozess, in dem Eltern schrittweise lernen, das gemeinsame Elternsein neu zu leben.
Unterstützung ist Fürsorge – keine Schwäche
Elternberatung, Mediation oder begleitende Angebote für Eltern und Kinder können helfen, Spannungen zu entschärfen und Orientierung zu finden.
Es geht nicht darum, möglichst viele Sitzungen zu absolvieren, sondern darum, sich den Raum zu geben, um inneren Frieden zu schaffen – für sich selbst und die Kinder.
In der Praxis zeigt sich oft: Erwachsene, die als Kind eine Trennung der Eltern erlebt haben, tragen noch Jahre später die Spuren dieser Zeit.
Viele erzählen, dass sie sich damals allein gelassen, verantwortlich oder überfordert fühlten – und dass ihre Eltern nicht so reagiert haben, wie es für ein Kind hilfreich gewesen wäre.
Genau diese Themen stehen heute im Mittelpunkt einer guten Elternberatung:
Wie können Kinder geschützt, verstanden und begleitet werden?
Wie kann verhindert werden, dass sie in Loyalitätskonflikte geraten oder Schuldgefühle entwickeln?
Viele Erwachsene sagen rückblickend:
„Es wäre gut gewesen, wenn wir damals Unterstützung bekommen hätten.“
Diese Erkenntnis ist kein Vorwurf, sondern eine Einladung – an die Eltern von heute, sich die Begleitung zu gönnen, die ihnen und ihren Kindern guttut.
Fazit: Kinder brauchen keine perfekten Eltern – sondern präsente
Trennung ist ein Ende – aber auch ein Anfang.
Wenn Eltern bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Verletzungen anzuschauen und ihre Elternrolle bewusst zu gestalten, können Kinder aus dieser Erfahrung gestärkt hervorgehen.
Elternberatung kann dabei der erste, entscheidende Schritt sein – nicht als Pflicht, sondern als Einladung, Elternschaft neu und bewusst zu leben.
„Kinder können eine Trennung gut bewältigen und hindurchgehen – wenn Eltern bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu tragen.“
Wenn Sie sich in einer Trennungssituation befinden oder sich fragen, wie Sie als Eltern gut durch diese Zeit kommen, begleite ich Sie gerne in diesem Prozess.
In einem geschützten Rahmen finden wir gemeinsam heraus, was Ihr Kind jetzt braucht – und was Sie als Eltern stärkt, um diesen neuen Weg sicher zu gehen.
